In Memoriam Haifa aus Abusir

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Heute morgen, gegen 04:50Uhr verstarb Haifa an den Komplikationen ihrer Trächtigkeit.

Aus irgendeinem Grund, den nur die Götter alleine kennen, starben die Kätzchen, die sie in ihrem Bauch trug, ab. Als Wolfgang merkte daß da etwas nicht stimmt fuhr er mit ihr sofort zum Tierarzt. Der stellte fest, daß die Kätzchen tot waren und gab ihr eine Spritze, damit die toten Körper abgetrieben werden. Doch es war schon zu spät; die Körper der Kätzchen waren bereits in Verwesung übergegangen und haben unbemerkt Haifas Körper vergiftet.

Wolfgang verbrachte die Nacht von Freitag auf Samstag bei ihr im Kittenzimmer, um ihr Beistand und Gesellschaft zu leisten. Als Haifa spürte, daß es mit ihr zu Ende geht, schleppte sie sich noch auf seinen Kopfpolster um ihrem geliebten Menschen nahe zu sein. Wolfgang wurde sofort munter und nahm Haifa in seine Arme, wo sie auch ihren letzten Atemzug tat.

Wir sind alle sehr erschüttert über Ihren Tod. Menschen, die da sagen, daß wir den Tod nicht begreifen können und wir uns daher auch nichts daraus machen, kennen uns Katzen nicht wirklich. Natürlich bemerken wir, wenn ein Artgenosse, der immer um uns herum war, plötzlich nicht mehr da ist. Genauso bemerken wir die feinen Schwingungen die entstehen, wenn sich eine Seele von ihrem Körper trennt um sich auf die Reise in das sagenhafte Land an der Regenbogenbrücke zu begeben. Außerdem sind wir Katzen die einzigen Wesen, die, abgesehen von demjenigen den es betrifft, in der Lage sind, Gevatter Tod in seiner wahren Gestalt zu sehen. Und ihr könnt mir glauben, ich habe den Knochenmann heute Nacht gesehen.

Leid tut mir Aragorn, mein Sohn und Haifas Gefährte. Er stand heute morgen vor dem leblosen Körper seiner Gefährtin und beklagte ihren Tod und den ihrer gemeinsamen Kinder bitterlich. Und leid tun mir auch unsere Menschen, Wolfgang und Silvia, die jedesmal leiden wie die Hunde.

Auch wenn die meisten von euch Haifa nicht persönlich gekannt haben, bitte ich euch dennoch, ein kleines Gebet an die Götter zu sprechen.

Danke!

 

Nachtrag: Sonntag nachmittag saß ich auf dem Kratzbaum am Balkon und genoss die Frühlingssonne, als es plötzlich zu regnen begann. Auf einmal sah ich einen wunderschönen Regenbogen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an der Farbenpracht, als ich bemerkte, daß der Regen nachließ und die Farben zu verblassen begannen. Kurz bevor der Regenbogen endgültig verschwand konnte ich noch einen kurzen Augenblick lang in das bei uns Katzen sagenumrankte Land an der Regenbogenbrücke schauen. Einen kleinen Moment lang sah ich die, die ich einmal kannte und die mir bereits vorausgegangen sind: Purple, Sheila, Zaroni, Silvester, Lady, das kleine Prinzesschen und ... Haifa. Sie zwinkerte mir zu, so als ob sie mir sagen wollte, daß alles in Ordnung sei, und wir nicht um sie trauern sollten.

Dann plötzlich verschwand das Bild, und ich sah, wie sich die letzten Farbstreifen in Nichts auflösten.

Eines Tages wird es an mir sein, den Weg zur Regenbogenbrücke zu gehen, aber bis dorthin wird hoffentlich noch viel Zeit vergehen.